Editorial

Angesichts der stetig steigenden Cyberkriminalität haben wir unsere Anstrengungen zur Gewährleistung der Sicherheit im Jahr 2019 nochmals erhöht. Die Integration weiterer Schulen in die Informatikplattform der ARI und die Bereitstellung von Office 365 für Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler bildeten einen weiteren Schwerpunkt. Gefordert haben uns zudem die Vorbereitungen zur Einführung von Windows 10 bei unseren Kunden. Trotz eines Ausbaus der Leistungen und der Qualität konnten die Kosten und damit die Servicepauschalen für unsere Kunden auf einem konkurrenzfähigen Niveau nochmals reduziert werden.

Im Zuge der Digitalisierung durchdringt Informationstechnologie immer mehr Bereiche, was die Angriffsfläche signifikant vergrössert. Die Anzahl der Hackerattacken aus dem Internet nimmt laufend zu. Neben der Anzahl steigt auch die Professionalität der Angriffe. Nicht nur private Unternehmen, auch öffentliche Verwaltungen und Spitäler geraten zunehmen in den Fokus der Cyberkriminellen.

Als Dienstleisterin von Kanton, Gemeinden und Spitälern speichert ARI auf ihren Systemen eine Vielzahl besonders schützenswerter Personendaten. Wir tragen die Verantwortung für die Sicherheit dieser Daten. Nicht zuletzt ist die Gewährleistung der Netzwerk-, Daten- und Betriebssicherheit eine im Gesetz ausdrücklich genannte Aufgabe von ARI.

Um die Vertraulichkeit, die Integrität und die Verfügbarkeit der Daten sicherzustellen, wurden im Berichtsjahr verschiedene Massnahmen umgesetzt. So haben wir Mitte letzten Jahres die Stelle eines Gesamtverantwortlichen für Informationssicherheit geschaffen. Der «Chief Information Security Officer» (kurz CISO) erarbeitet die IT-Security-Strategie, analysiert Risiken und initiiert Massnahmen, um das nötige Schutzniveau zu gewährleisten.

Unsere Systeme werden laufend aktualisiert und ergänzt, um gegen neue Gefahren gewappnet zu sein. Eine der grössten Schwachstellen stellt jedoch nach wie vor der Mensch dar. Mittels «Social Engineering» versuchen Kriminelle, die Hilfsbereitschaft, Gutgläubigkeit oder auch Unsicherheit von Mitarbeitenden auszunutzen, um an vertrauliche Daten zu gelangen. Zur Minimierung dieses Risikos haben wir mit verschiedenen Aktionen und Veranstaltungen das Sicherheitsbewusstsein unserer Mitarbeitenden geschult. Während in der ersten Phase der Fokus auf den Mitarbeitenden der ARI lag, werden in einem zweiten Schritt auch unsere Kunden mit gezielten Massnahmen zu sicherem Handeln angeleitet und motiviert. Um eine nachhaltige Sensibilisierung zu erreichen, wird im Rahmen einer Security-Awareness-Kampagne ein Bündel aufeinander abgestimmter Massnahmen erarbeitet und umgesetzt.

Bei den Projekten haben uns die Harmonisierung der Schulinformatik (Projekt «AR Schule21») und die Neukonzeption des elektronischen Arbeitsplatzes mit Windows 10 und Office 2016 (Projekt «AP21») stark gefordert. Ende November 2019 wurde mit Schwellbrunn die 8. Schule auf die Plattform von ARI überführt. Damit nutzen Ende 2019 bereits 40% der Volksschulen die standardisierte Infrastruktur der ARI und setzen Office 365 im Unterricht ein. Das Ziel, die Hälfte aller Schulen bis Ende 2019 umzustellen, wurde knapp verfehlt.

Die Konzeption und Realisierung des neuen elektronischen Arbeitsplatzes mit Windows 10 als Betriebssystem und den Office-Applikationen in der Version 2016 wurde im Berichtsjahr abgeschlossen. Von den Neuerungen profitieren sowohl Benutzer von konventionellen Desktop-PCs und Notebooks wie auch Anwender, die mit dem virtuellen Desktop arbeiten. Insbesondere der virtuelle Desktop präsentiert sich dank der umgesetzten Optimierungen deutlich schneller, das Arbeiten gestaltet sich flüssiger als mit dem bisherigen Arbeitsplatz. Benutzer von PCs und Notebooks profitieren von einer verbesserten Einbindung der Geräte in die Informatikumgebung.

Nach mehrmonatigem produktivem Einsatz des neuen Arbeitsplatzes innerhalb der ARI und einer ausführlichen Testphase wurde der Spitalverbund AR als erster Kunde mit den neuen Arbeitsplätzen ausgerüstet. Technische Probleme zwangen uns zu einem Halt und zur Umsetzung von Korrekturen vor der Fort- führung der Umstellung. Die Einführung von Windows 10 konnte infolgedessen nicht im geplanten Zeitraum abgeschlossen werden.

Diese Verschiebung dürfte einen massgeblichen Einfluss auf die Ergebnisse der Kundenzufriedenheitsumfrage gehabt haben. Unsere Kunden haben unsere Leistungen gegenüber dem letzten Jahr schlechter bewertet. Zwar bewegen sich die Werte immer noch auf einem hohen positiven Niveau. Aufgrund der Entwicklung und verschiedener konkreter Rückmeldungen hat die Geschäftsleitung jedoch Massnahmen eingeleitet, mit denen wir die Zufriedenheit unserer Kunden in den kommenden Jahren erhöhen wollen.

Die rechtliche Grundlage der ARI bildet das Gesetz über eGovernment und Informatik. Dieses Gesetz wurde im Berichtsjahr vom Kantonsrat überarbeitet. Mit Freude haben wir das Ergebnis zur Kenntnis genommen. Nach einer ausführlichen Prüfung der Prozesse und Strukturen ist die vorberatende parlamentarische Kommission zum Schluss gekommen, dass das gemeinsame Informatikunternehmen von Kanton und Gemeinden in der bestehenden Ausprägung die bestmögliche Lösung für Appenzell Ausserrhoden darstellt. Der Kantonsrat hat das seit 2013 gültige Gesetz lediglich in Details angepasst, in seinen Grundzügen aber mit einer einzigen Gegenstimme bestätigt. Wir sehen diese überwältigende Zustimmung als Zeichen des Vertrauens und der Wertschätzung in die bisher geleistete Arbeit wie auch als Auftrag, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Die Ergebnisse der letzten Jahre und die insgesamt erfreuliche finanzielle Situation erlaubten uns, die Preise für mehr als ein Dutzend Services per 1.1.2019 teilweise substanziell zu senken. Von diesen Reduktionen haben sämtliche Kunden der ARI profitiert. Die Servicepauschalen für unsere Standardservices, die den Grundbedarf abdecken, konnten damit seit Gründung der ARI kontinuierlich gesenkt werden. So sind die Pauschalen für den Desktop-PC seit 2013 um 3.6% gesunken, diejenigen für das Notebook um 12.2%. Noch eindrücklicher sind die Preissenkungen bei den Einzelplatzdruckern (31%), der Telefonie (27.8%) oder den Access Points (51.5%).

Trotz eines Ausbaus der Leistungen, der Sicherheit und der Verfügbarkeit zahlen Kunden, welche dieselben Mengen wie vor 7 Jahren beziehen, heute weniger für die Informatik. Die Preisreduktionen sind eine Folge der konsequenten Standardisierung der Informatikumgebungen von Kanton und Gemeinden. Dank der umgesetzten Vereinheitlichung profitieren unsere Kunden von Synergien und Skaleneffekten.

Nicht nur die Entwicklung der Servicepauschalen zeigt ein erfreuliches Bild. Auch die absolute Höhe der Pauschalen bewegt sich, wie verschiedene Vergleiche zeigen, in einem konkurrenzfähigen Bereich. Eine von einer externen Firma durchgeführte Analyse der Kosten unseres Service Desks zeigt, dass die Kosten pro Anfrage im Vergleich mit anderen Informatikdienstleistern im öffentlich-rechtlichen Umfeld tief sind. 

Unter anderem aufgrund der reduzierten Servicepauschalen wurde für 2019 ein Verlust budgetiert. Das operative Ergebnis entspricht mit einem Aufwand- überschuss von CHF 269‘001 weitgehend dem budgetierten Ergebnis von CHF –358‘000. Die Entnahme von CHF 95‘000 aus den Vorfinanzierungsreserven, welche 2018 in der Höhe von CHF 600‘000 für die beiden Projekte «AP21» (Erneuerung von Betriebssystem und Office-Anwendungen) und «Microsoft EA» (Lizenzierung der Microsoft-Produkte) gebildet wurden, führen beim Gesamtergebnis 2019 zu einem Verlust von CHF 173‘155. Gegenüber dem Budget bedeutet dies eine Abweichung von lediglich CHF 24‘845.

Die reduzierten Servicepauschalen werden gemäss Finanzplanung über die kommenden 3 Jahre zu Verlusten führen. Mit dieser Massnahme werden die in der Bilanz ausgewiesenen Gewinnvorträge bis Ende 2023 abgebaut. Unser Ziel ist, die Effizienz und Kosten weiter zu optimieren, um die reduzierten Preise auch über das Jahr 2023 beibehalten zu können.

Im Berichtsjahr wurden insgesamt CHF 2‘188‘729 investiert. Das Investitionsbudget wurde damit um CHF 801‘271 unterschritten. Die umfangreichsten Investitionen erfolgten in die Konzeption und Realisierung des neuen elektronischen Arbeitsplatzes (Projekt «AP21») sowie in die Integration der Schulen (Projekt «AR Schule21»).

Unsere Kunden haben grosse Erwartungen an die Qualität unserer Services, gleichzeitig aber auch an unsere Effizienz und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Mitarbeitende wie Führungskräfte der ARI waren durch all diese Entwicklungen im Geschäftsjahr 2019 stark gefordert. Im Namen des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung danken wir allen Beteiligten für ihr grosses Engagement. Unser Dank gilt auch unseren Kunden und Partnern, vor allem aber Ihnen, geschätzte Aktionärinnen und Aktionäre, für Ihr Vertrauen.

Lukas Fässler
Präsident des Verwaltungsrates

 

Johannes Dörler
CEO