Anhang zum Finanzbericht

Grundlagen und Grundsätze der Rechnungslegung

Angewendetes Regelwerk

Nach Art. 19 des Gesetzes über eGovernment und Informatik (eGovG) sowie nach Art. 14 Abs. 1 der Statuten der AR Informatik AG richtet sich die Rechnungslegung nach den Bestimmungen des kantonalen Finanzhaushaltsgesetzes (FHG). Soweit das Gesetz oder die Statuten nichts Anderes bestimmen, gelten gemäss Art. 10 Abs. 4 eGovG sinngemäss die Vorschriften des Obligationenrechts (OR) über die Aktiengesellschaft.

Art. 14 Abs. 2 der Statuten der ARI verweisen für die Gewinnverwendung auf die gesetzlichen Bestimmungen. Das FHG äusserst sich nicht zum Thema Gewinnverwendung. Damit kommen die Regelungen gemäss Art. 671 OR zur Anwendung. Gemäss Art. 671 OR ist ARI verpflichtet, 5% des Jahresgewinnes der allgemeinen gesetzlichen Reserve zuzuweisen, bis diese 20 Prozent des einbezahlten Aktienkapitals erreicht haben (= CHF 300‘000). Laut Art. 12, Abs. 4 des eGovG können Reserven im Umfang von maximal 50 Prozent des Aktienkapitals gebildet werden (= maximal CHF 750‘000). Die allgemeinen gesetzlichen Reserven betragen per 01.01.2018 CHF 750‘000. Das Maximum gemäss eGovG wurde damit erreicht.

Gemäss Art. 12, Abs. 3 des eGovG muss sich die ARI grundsätzlich aus den Eigenmitteln finanzieren. Sie kann verzinsliche Darlehen ausschliesslich beim Kanton und bei den Gemeinden aufnehmen.

Die Rechnungslegung hat sich am Harmonisierten Rechnungsmodell für die Kantone und Gemeinden bzw. nach dem FHG zu orientieren. Die in Art. 26 Abs. 2 FHG definierten Grundsätze zur Rechnungslegung (Bruttodarstellung, Periodengerechtigkeit, Fortführung, Wesentlichkeit, Verständlichkeit, Zuverlässigkeit, Vergleichbarkeit und Stetigkeit) weichen nicht von den allgemein gültigen Grundsätzen nach OR ab. Dies wird durch die externe Revisionsstelle geprüft. Die Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze werden in den wesentlichen Bereichen nach den Bestimmungen des FHG und des OR angewendet.


Berichterstattung, Jahresrechnung

Die Jahresrechnung hat nach Art. 27 FHG im Minimum aus Erfolgsrechnung, Investitionsrechnung, Geldflussrechnung, Bilanz und Anhang zu bestehen. Nach Art. 21 Abs. 1 FHG hat der Finanzbericht einen Finanz-kommentar der Exekutive (bei der ARI = Verwaltungsrat), die Jahresrechnung inkl. Vergleich zum Budget und Vorjahr, eine Konsolidierung und den Prüfbericht des Revisionsorgans sowie Zusatzinformationen nach Bedarf zu enthalten. Ein Ausweis einer konsolidierten Jahresrechnung ist für die ARI nicht anwendbar.


Erfolgsrechnung

Gemäss Beschluss des Verwaltungsrates vom 11.11.2013 wird auf den KMU Kontoplan abgestellt und nicht auf den Kontoplan von HRM2 (FHG). Ausserordentliche, betriebsfremde Positionen sowie das Ergebnis aus Finanzierung werden separat ausgewiesen. Damit entspricht die Erfolgsrechnung einer zweistufigen Gliederung gemäss Tabelle 4 FHG Gesetzestext mit Kommentar. In der Darstellung der Erfolgsrechnung wird das „Betriebsergebnis vor Steuern“ (OR) ausgewiesen. Dieses Ergebnis entspricht gleichzeitig dem „Operativen Ergebnis“ nach HRM2.


Investitionsrechnung

Eine Investitionsrechnung wird im System geführt und im Jahresbericht offengelegt.


Bilanz

Die Bilanz ist nach dem KMU Kontoplan strukturiert und wird folglich nicht in Finanz- und Verwaltungsvermögen aufgeteilt (siehe Beschluss des Verwaltungsrats der AR Informatik AG vom 11.11.2013). 24 Die Bilanzierungsgrundsätze nach Art. 34 FHG decken sich grösstenteils mit den Anforderungen gemäss Art. 959 OR. Die Bezeichnungen der Bilanz-Positionen entsprechen den obligationenrechtlichen Vorschriften (Art. 959a ff. OR). Die Einhaltung der Bilanzierungsgrundsätze wird durch die externe Revisionsstelle geprüft.


Beurteilung der Finanzlage

Das FHG fordert, dass finanzpolitische Zielgrössen für die Beurteilung der Finanzlage festzulegen sind. Dabei werden vom FHG 8 Kennzahlen vorgegeben. Diese sind für einen KMU Betrieb nur bedingt anwendbar bzw. aussagekräftigt. Zur Beurteilung der Finanzlage werden in diesem Anhang zur Jahresrechnung einige unternehmensrelevante Finanzkennzahlen mit entsprechenden Richtwerten ausgewiesen (vgl. Kap. 2.).


Sachanlagen, ordentliche Abschreibung, Wertberichtigung

Die Vorgaben von FHG decken sich sinngemäss mit denjenigen nach Art. 960a Abs. 3 OR (nutzungs- und altersbedingtem Wertverlust ist mit Abschreibungen Rechnung zu tragen). Sämtliche mobilen Anlagen werden in der Anlagebuchhaltung geführt. Beschaffte Komponenten werden direkt verbaut, in Betrieb genommen und stehen entsprechend sogleich auch im Einsatz. Die mobilen Sachanlagen werden zum Anschaffungs- bzw. Herstellkostenwert bewertet. Die Aktivierungsgrenze beträgt CHF 20‘000. Anschaffungen unter diesem Betrag werden im Anschaffungsjahr der Erfolgsrechnung belastet. Die Anlagen werden ab Nutzungsbeginn über die geschätzte Nutzungsdauer linear abgeschrieben. Für bestehende Anlagen, bei welchen im aktuellen Jahr weitere Zugänge verbucht werden, werden die Zugänge gestaffelt linear abgeschrieben. Die Nutzungsdauer der Sachanlagen wurde vom Verwaltungsrat mit Beschluss vom 16.05.2018 wie folgt festgelegt:

Anlagebezeichnung Nutzungsdaur Jahre
Zentrale Infrastruktur  
On-/Offline-Speichersystem, Server, Netz-werkkomponenten 5
Netzwerkverbindungen 8
Umbuchungen 0
Arbeitsplatz  
Zero Client, FAT Client, Notebook, Touch-PC, Monitor, Drucker, Telefonsystem 5
Tablets 4
Smartphone 3
Software  
Applikationen, System- und Basissoftware 5
Übrige Anlgen  
Fahrzeuge 6
Mobiliar, Einrichtungen 12
Kühl-/Klima-/USV-Anlagen (RZ) 8
Bauliche Anlagen (RZ) 15
Immaterielle Anlagen  
Dienstleistungen 5
Software-/Hardwarewartung (vertragsabhängig) 3 - 8
Nutzungsrechte (vertragsabhängig) 3 - 8

Zusätzliche Abschreibungen, Reserven, Rückstellungen

Zusätzliche Abschreibungen wurden keine getätigt. Im Rechnungsjahr 2018 wurden CHF 600‘000 zweckgebundene Vorfinanzierungsreserven für zwei vom Verwaltungsrat im 2018 bewilligte Investitionsvorhaben gebildet. Die Vorfinanzierungen werden in der Bilanz separat ausgewiesen. In der Erfolgsrechnung wurde die Einlage im ausserordentlichen Aufwand verbucht. Rückstellungen werden einzig in der Höhe von einem Prozent des Umsatzes für unkontrollierbare Ereignisse in der Zukunft, wie Forderungen seitens von Kunden, Lieferanten gebildet. Per 31.1.2017 betragen diese Rückstellungen CHF 149‘000. Im Rechnungsjahr 2018 wurden keine zusätzlichen Rückstellungen verbucht. Neben den Vorfinanzierungen beinhaltet die Jahresrechnung der ARI nur gesetzliche Reserven.

Fälligkeit langfristige verzinsliche Verbindlichkeiten (Fremdkapital)

  31.12.2018 31.12.2017
  CHF CHF
Darlehen I (Darlehensgeber: Kanton), fällig am 08.01.2022 2'000'000 2'500'000
Darlehen II (Darlehensgeber: Kanton) fällig am 30.11.2024 3'000'000 3'000'000

Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen

  31.12.2018 31.12.2017
  CHF CHF
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen    
Gegenüber Dritten 443‘942 570‘322
Gegenüber Beteiligten und Organen: Kanton (Aktionäre) 661‘100 606‘556
Gebenüber Beteiligten und Organen: Gemeinden (Aktionäre) 785‘957 842‘086
Total Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 1‘890‘999 2‘018‘964
Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen    
Gegenüber Dritten 728‘100 1‘963‘330
Gegenüber Beteiligten und Organen: Kanton (Aktionäre) 20‘277 134‘622
Gebenüber Beteiligten und Organen: Gemeinden (Aktionäre) 1‘479 1‘175
Total Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 749‘856 2‘099‘127

Langfristige, vertragliche Verbindlichkeiten

Im Folgenden werden langfristige, vertragliche Verbindlichkeiten deklariert. Es handelt sich um Verbindlichkeiten von CHF 50'000 und mehr pro Jahr, die nicht innerhalb von 12 Monaten kündbar sind:

  Vertragsende Verbindlichkeit
    pro Jahr CHF
St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG; Dienstleistungsverträge für Glasfaserleitungen 31.12.2027 400'000
SSGI/Axians IT&T; Software-Wartungsverträge (Infoma newsystem) 01.04.2021 540'000
Microsoft; Lizenzverträge (neuer Vertrag ab 2019) 31.12.2021 700'000
Assekuranz AR; Mietvertrag Büroräume Poststr. 10A, Herisau 31.12.2020 190'000
Ricoh AG; Miet-/Serviceverträge MFP-Geräte 31.12.2020 460'000
SSGI/PMI AG; Lizenz-/Wartungsverträge Scolaris 31.12.2024 54‘000

All Risks Sachversicherung

All Risks Sachversicherung Finanzkennzahlen Der Wert der All Risks Sachversicherung (Feuer- und Elementarschäden) für die gesamte IT-Infrastruktur und die Büroeinrichtungen beträgt CHF 10.1 Mio.

Die ARI hat bislang keine derivativen Finanzinstrumente eingesetzt und beabsichtigt auch zukünftig auf den Einsatz zu verzichten. Die ARI ist mit einem entsprechenden Beschluss des Verwaltungsrates vom 09.03.2018 den neuen Bestimmungen nachkommen: „Der Verwaltungsrat stellt fest, dass die ARI im Geschäftsjahr 2017 keine Derivate eingesetzt hat und dass sie auch zukünftig bis zum Widerruf dieses Beschlusses keine Derivate einsetzen wird und somit gemäss Art. 113 Abs. 2 FinfraV von den Pflichten gemäss FinfraG befreit ist.“


Wesentliche Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

Nach dem Bilanzstichtag und bis zur Verabschiedung der Jahresrechnung durch den Verwaltungsrat am 08.03.2019 sind keine wesentlichen Ereignisse eingetreten, welche die Aussagefähigkeit der Jahresrechnung 2018 beeinträchtigen könnte bzw. an dieser Stelle offengelegt werden müssten.


Finanzkennzahlen

Vorbemerkungen

Artikel 12, Abs. 3 des eGovG besagt, dass sich ARI grundsätzlich aus den Eigenmitteln finanziert und sie verzinsliche Darlehen ausschliesslich beim Kanton und bei den Gemeinden aufnehmen kann. Darlehensgeber des im langfristigen Fremdkapital ausgewiesenen Liquiditätsdarlehens ist der Kanton. Der Kanton ist Hauptaktionär der ARI. Je nach Betrachtungsweise könnte dieses Darlehen aus wirtschaftlicher Sicht auch als Eigenkapital eingestuft werden. Andererseits ist ARI vertraglich und gesetzlich verpflichtet, die Darlehen zurückzubezahlen. Das wiederum heisst, dass die Darlehen auch als langfristiges Fremdkapital eingestuft werden können.

Aufgrund dieser speziellen Situation wird bei den Kennzahlen Eigen- und Fremdfinanzierungsgrad zwischen buchhalterischen und wirtschaftlichen Kennzahlen unterschieden. Die Geschäftsleitung konzentriert sich bei ihren Analysen und Entscheiden vor allem auf die buchhalterischen (unternehmerischen) Kennzahlen. Die aufgeführten Richtwerte sind auf unternehmrische Ziele ausgerichtet.

Eigenfinanzierungsgrad   Rechnung 2018 Rechnung 2017
wirtschaftlich Eigenkapital + Darlehen x 100% / Gesamtkapital 38% 28%
buchhalterisch Eigenkapital x 100% / Gesamtkapital 89% 78%

Richtwert: 30 - 60%
Aussage: Mit wie vielen Prozenten wird das Gesamtkapital mit Eigenkapital finanziert.


Fremdfinanzierungsgrad   Rechnung 2018 Rechnung 2017
wirtschaftlich Eigenkapital - Darlehen x 100% / Gesamtkapital 62% 72%
buchhalterisch Fremdkapital x 100% / Gesamtkapital 11% 22%

Richtwert: 40 – 70%
Aussage: Je höher der Fremdfinanzierungsgrad, desto abhängiger ist ein Unternehmen von den Kapitalgebern. Fremdkapital muss einerseits zurück bezahlt werden, andererseits muss man dafür auch Zinsen bezahlen. Bei hohem Fremdfinanzierungsgrad sinkt der Handlungsspielraum z.B. bei Verlusten oder hohem Investitionsbedarf.
 


Selbstfinanzierungsgrad   Rechnung 2018 Rechnung 2017
wirtschaftlich und buchhalterisch Reserven + Gewinnvortrag x 100% / Eigenkapital 60% 51%

Richtwert: >20%
Aussage: Der Selbstfinanzierungsgrad spiegelt das Verhältnis von Gewinnrücklagen zum gesamten Eigenkapital wider und gibt das Ausmass der "Finanzierung aus eigener Kraft" eines Unternehmens an.


Anlagedeckungsgrad 2   Rechnung 2018 Rechnung 2017
wirtschaftlich und buchhalterisch Eigenkapital + langfrist. Fremdkap. x 100% / Anlagevermögen 193% 196%

Richtwert: >110%
Aussage: Goldene Bilanzregel ->Langfristig gebundenes Vermögen sollte durch langfristiges Kapital finanziert werden können.


Liquiditätsgrad 2   Rechnung 2018 Rechnung 2017
wirtschaftlich und buchhalterisch Flüssige Mitel + Forderungen x 100% / kurzfristiges Fremdkapital 547% 287%

Richtwert: >100%
Aussage: Kurzfristige Schulden sollten durch die flüssigen Mittel und Kundenzahlungen beglichen werden können.