Anhang zum Finanzbericht

Grundlagen und Grundsätze der Rechnungslegung

Angewendetes Regelwerk

Nach Art. 19 des Gesetzes über eGovernment und Informatik (eGovG) sowie nach Art. 14 Abs. 1 der Statuten der AR Informatik AG richtet sich die Rechnungslegung nach den Bestimmungen des kantonalen Finanzhaushaltsgesetzes (FHG). Soweit das Gesetz oder die Statuten nichts anderes bestimmen, gelten gemäss Art. 10 Abs. 4 eGovG sinngemäss die Vorschriften des Obligationenrechts (OR) über die Aktiengesellschaft.

Art. 14 Abs. 2 der Statuten der ARI verweisen für die Gewinnverwendung auf die gesetzlichen Bestimmungen. Das FHG äusserst sich nicht zum Thema Gewinnverwendung. Damit kommen die Regelungen gemäss Art. 671 OR zur Anwendung. Gemäss Art. 671 OR ist ARI verpflichtet, 5% des Jahresgewinnes der allgemeinen gesetzlichen Reserve zuzuweisen, bis diese 20 Prozent des einbezahlten Aktienkapitals erreicht haben (= CHF 300'000). Laut Art. 12, Abs. 4 des eGovG können Reserven im Umfang von maximal 50 Prozent des Aktienkapitals gebildet werden (= maximal CHF 750'000). Die allgemeinen gesetzlichen Reserven betragen per 01.01.2017 CHF 750'000. Das Maximum gemäss eGovG wurde damit erreicht.

Gemäss Art. 12, Abs. 3 des eGovG muss sich die ARI grundsätzlich aus den Eigenmitteln finanzieren. Sie kann verzinsliche Darlehen ausschliesslich beim Kanton und bei den Gemeinden aufnehmen.

Die Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze werden in den wesentlichen Bereichen nach den Bestimmungen des FHG angewendet.

Die Rechnungslegung hat sich am Harmonisierten Rechnungsmodell für die Kantone und Gemeinden bzw. nach dem FHG zu orientieren. Die in Art. 26 Abs. 2 FHG definierten Grundsätze zur Rechnungslegung (Bruttodarstellung, Periodengerechtigkeit, Fortführung, Wesentlichkeit, Verständlichkeit, Zuverlässigkeit, Vergleichbarkeit und Stetigkeit) weichen nicht von den allgemein gültigen Grundsätzen nach OR ab. Dies wird durch die externe Revisionsstelle geprüft.


Berichterstattung, Jahresrechnung

Die Jahresrechnung hat nach Art. 27 FHG im Minimum aus Erfolgsrechnung, Investitionsrechnung, Geldflussrechnung, Bilanz und Anhang zu bestehen. Nach Art. 21 Abs. 1 FHG hat der Finanzbericht einen Finanzkommentar der Exekutive (bei der ARI = Verwaltungsrat), die Jahresrechnung inkl. Vergleich zum Voranschlag und Vorjahr, eine Konsolidierung und den Prüfbericht des Revisionsorgans sowie Zusatzinformationen nach Bedarf zu enthalten. Ein Ausweis einer konsolidierten Jahresrechnung ist für die ARI nicht anwendbar.


Erfolgsrechnung

Gemäss Beschluss des Verwaltungsrates vom 11.11.2013 wird auf den KMU Kontoplan abgestellt und nicht auf den Kontoplan von HRM2 (FHG). Ausserordentliche, betriebsfremde Positionen sowie das Ergebnis aus Finanzierung werden separat ausgewiesen. Damit entspricht die Erfolgsrechnung einer zweistufigen Gliederung gemäss Tabelle 4 FHG Gesetzestext mit Kommentar.


Investitionsrechnung

Eine Investitionsrechnung wird im System geführt und im Jahresbericht offengelegt.


Bilanz

Die Bilanz ist nach dem KMU Kontoplan strukturiert und wird folglich nicht in Finanz- und Verwaltungsvermögen aufgeteilt (siehe Beschluss des Verwaltungsrats der AR Informatik AG vom 11.11.2013).

Die Bilanzierungsgrundsätze nach Art. 34 FHG decken sich grösstenteils mit den Anforderungen gemäss Art. 959 OR. Die Einhaltung der Bilanzierungsgrundsätze wird durch die externe Revisionsstelle geprüft.


Beurteilung der Finanzlage

Das FHG fordert, dass finanzpolitische Zielgrössen für die Beurteilung der Finanzlage festzulegen sind. Dabei werden vom FHG 8 Kennzahlen vorgegeben. Diese sind für einen KMU Betrieb nur bedingt anwendbar bzw. aussagekräftigt. Zur Beurteilung der Finanzlage werden in diesem Anhang zur Jahresrechnung einige unternehmensrelevante Finanzkennzahlen ausgewiesen (vgl. Kap. 3.).


Ordentliche Abschreibung, Wertberichtigung

Die Vorgaben von FHG decken sich sinngemäss mit denjenigen nach Art. 960a Abs. 3 OR (nutzungs- und altersbedingtem Wertverlust ist mit Abschreibungen Rechnung zu tragen). Die Nutzungsdauer für technische Anlagen wurde vom Verwaltungsrat mit Beschluss vom 11.11.2013 festgelegt. Die Nutzungsdauer für Hardware variiert je nach Anlagekategorie zwischen 3 und 5 Jahren. Software wird bei der ARI über 5 Jahre abgeschrieben. Bestellte Komponenten werden direkt verbaut und stehen entsprechend sogleich auch im Einsatz. Sämtliche mobilen Anlagen werden in der Anlagebuchhaltung geführt. Die Abschreibungen werden vom System berechnet. Die Nutzungsdauer der Anlagen wird gemäss Verwaltungsratsbeschluss hinterlegt. Für bestehende Anlagen, bei welchen im aktuellen Jahr weitere Zugänge verbucht werden, werden die Zugänge gestaffelt abgeschrieben.


Zusätzliche Abschreibungen, Reserven, Rückstellungen

Zusätzliche Abschreibungen wurden keine getätigt. Zweckgebundene Reserven für bewilligte Investitionsvorhaben wurden keine gebildet. Rückstellungen werden einzig in der Höhe von einem Prozent des Umsatzes für unkontrollierbare Ereignisse in der Zukunft, wie Forderungen seitens von Kunden, Lieferanten gebildet. Die Jahresrechnung der ARI beinhaltet keine stillen, sondern nur gesetzlichen Reserven.


Fälligkeit langfristige verzinsliche Verbindlichkeiten (Fremdkapital)

  31.12.2017 31.12.2016
  CHF CHF
fällig innerhalb von 1 - 5 Jahre 2'500'000 0
fällig nach fünf Jahren 3'000'000 3'000'000

Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber nahestehenden Organisationseinheiten

  31.12.2017 31.12.2016
  CHF CHF
Forderungen gegenüber Kanton (Aktionär) 606'556 731'695
Forderungen gegenüber Gemeinden (Aktionäre) 842'086 702'298
Verbindlichkeiten gegenüber Kanton (Aktionär) 134'622 396'698
Verbindlichkeiten gegenüber Gemeinden (Aktionäre) 1'175 2'226

Langfristige, vertragliche Verbindlichkeiten

Im Folgenden werden langfristige, vertragliche Verbindlichkeiten deklariert. Es handelt sich um Verbindlichkeiten von CHF 50'000 und mehr pro Jahr, die nicht innerhalb von 12 Monaten kündbar sind:

  Vertragsende Verbindlichkeit pro Jahr CHF
St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG; Dienstleistungsverträge für Glasfaserleitungen 31.12.2027 400'000
SSGI/Axians IT&T; Software-Wartungsverträge (Infoma newsystem) 01.04.2021 500'000
Microsoft; Lizenzverträge (neuer Vertrag ab 2019) 31.12.2021 450'000
Assekuranz AR; Mietvertrag Büroräume Poststr. 10A, Herisau 31.12.2020 190'000
Ricoh AG; Miet-/Serviceverträge MFP-Geräte 30.09.2020 460'000

All Risks Sachversicherung

Der Wert der All Risks Sachversicherung (Feuer- und Elementarschäden) für die gesamte IT-Infrastruktur und die Büroeinrichtungen beträgt CHF 10.1 Mio.


Finanzmarktinfrastrukturgesetz

Um die Risiken im Derivatehandel zu reduzieren, hat der Bund das Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinfraG) sowie eine entsprechende Verordnung (FinfraV) erlassen. Diese neuen Gesetzesbestimmungen sind seit dem 1. Januar 2016 in Kraft und für sämtliche im Handelsregister eingetragenen Unternehmen verbindlich anzuwenden.

Die ARI hat bislang keine derivativen Finanzinstrumente eingesetzt und beabsichtigt auch zukünftig auf den Einsatz zu verzichten. Die ARI ist mit einem entsprechenden Beschluss des Verwaltungsrates vom 09.03.2018 den neuen Bestimmungen nachkommen: "Der Verwaltungsrat stellt fest, dass die ARI im Geschäftsjahr 2017 keine Derivate eingesetzt hat und dass sie auch zukünftig bis zum Widerruf dieses Beschlusses keine Derivate einsetzen wird und somit gemäss Art. 113 Abs. 2 FinfraV von den Pflichten gemäss FinfraG befreit ist."


Wesentliche Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

Nach dem Bilanzstichtag und bis zur Verabschiedung der Jahresrechnung durch den Verwaltungsrat am 09.03.2018 sind keine wesentlichen Ereignisse eingetreten, welche die Aussagefähigkeit der Jahresrechnung 2017 beeinträchtigen könnte bzw. an dieser Stelle offen gelegt werden müssten.


Anlagenspiegel

  Sachanlagen
  TCHF
   
Anlagevermögen Stand per 01.01.2017 4'226
Zugänge (Investitionsausgaben) 2'537
Abgänge (Investitionseinnahmen) -0
Stand per 31.12.2017 6'763
   
Abschreibungen Stand per 01.01.2017 0
Zusätzliche Abschreibungen 0
Abschreibungen 2'336
Stand per 31.12.2017 2'336
Nettowert per 31.12.2017 4'427

Finanzkennzahlen

Vorbemerkungen

Artikel 12, Abs. 3 des eGovG besagt, dass sich ARI grundsätzlich aus den Eigenmitteln finanziert und sie  verzinsliche Darlehen ausschliesslich beim Kanton und bei den Gemeinden aufnehmen kann. Darlehensgeber des im langfristigen Fremdkapital ausgewiesenen Liquiditätsdarlehens ist der Kanton. Der Kanton ist Hauptaktionär der ARI. Je nach Betrachtungsweise könnte dieses Darlehen aus wirtschaftlicher Sicht auch als Eigenkapital eingestuft werden. Andererseits ist ARI vertraglich und gesetzlich verpflichtet, die Darlehen zurückbezahlen. Das wiederum heisst, dass die Darlehen auch als langfristiges Fremdkapital eingestuft werden können.

Aufgrund dieser speziellen Situation wird bei den Kennzahlen Eigen- und Fredmfinanzierungsgrad zwischen buchhalterischen und wirtschaftlichen Kennzahlen unterschieden. Die Geschäftsleitung konzentriert sich bei ihren Analysen und Entscheiden vor allem auf die buchhalterischen (unternehmerischen) Kennzahlen. Die aufgeführten Richtwerte sind auf unternehmrische Ziele ausgerichtet.

Eigenfinanzierungsgrad   Rechnung 2017 Rechnung 2016
wirtschaftlich Eigenkapital + Darlehen x 100% / Gesamtkapital 78% 68%
buchhalterisch Eigenkapital x 100% / Gesamtkapital 28% 33%

Richtwert: 30 - 60%
Aussage: Mit wie vielen Prozenten wird das Gesamtkapital mit Eigenkapital finanziert.


Fremdfinanzierungsgrad   Rechnung 2017 Rechnung 2016
wirtschaftlich Eigenkapital - Darlehen x 100% / Gesamtkapital 22% 32%
buchhalterisch Fremdkapital x 100% / Gesamtkapital 72% 67%

Richtwert: 40 – 70%
Aussage: Je höher der Fremdfinanzierungsgrad, desto abhängiger ist ein Unternehmen von den Kapitalgebern. Fremdkapital muss einerseits zurück bezahlt werden, andererseits muss man dafür auch Zinsen bezahlen. Bei hohem Fremdfinanzierungsgrad sinkt der Handlungsspielraum z.B. bei Verlusten oder hohem Investitionsbedarf.
 


Selbstfinanzierungsgrad   Rechnung 2017 Rechnung 2016
wirtschaftlich und buchhalterisch Reserven + Gewinnvortrag x 100% / Eigenkapital 51% 46%

Richtwert: >20%
Aussage: Der Selbstfinanzierungsgrad spiegelt das Verhältnis von Gewinnrücklagen zum gesamten Eigenkapital wider und gibt das Ausmass der "Finanzierung aus eigener Kraft" eines Unternehmens an.


Anlagedeckungsgrad 2   Rechnung 2017 Rechnung 2016
wirtschaftlich und buchhalterisch Eigenkapital + langfrist. Fremdkap. x 100% / Anlagevermögen 196% 140%

Richtwert: >110%
Aussage: Goldene Bilanzregel ->Langfristig gebundenes Vermögen sollte durch langfristiges Kapital finanziert werden können.


Liquiditätsgrad 2   Rechnung 2017 Rechnung 2016
wirtschaftlich und buchhalterisch Flüssige Mitel + Forderungen x 100% / kurzfristiges Fremdkapital 287% 166%

Richtwert: >100%
Aussage: Kurzfristige Schulden sollten durch die flüssigen Mittel und Kundenzahlungen beglichen werden können.